Abschwung

Wie Sie Ihre Fabrik in Zeiten einer schlechten Konjunktur nach vorne bringen.

Was die Alpen mit der Konjunktur verbindet.

Es gilt die alpine Konjunkturweisheit: „Wo die Berge hoch sind, sind die Täler tief.“ Dieses Zitat von Prof. Stefan Kooths, der das Kieler Institut für Weltwirtschaft leitet, fasst es gut zusammen. Nach einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs folgt unweigerlich eine Zeit des Rückgangs. So funktioniert die Konjunktur. Dennoch trifft es uns im Moment wie eine kalte Dusche – viel zu lange lief der Wirtschaftsmotor auf Hochtouren. Fast hatten wir alle das Gefühl, dass es gar nicht mehr anders gehen kann. Und doch ist es jetzt so weit: Die Schatten werden länger, der Wirtschaftszyklus geht seinem Ende zu.

Die Frage, die sich nun aufdrängt, ist, wie Sie damit möglichst produktiv umgehen können. Was können Sie tun, damit Ihre Fabrik, Ihre Produktion möglichst ohne Dellen – ja vielleicht sogar mit einem besseren Zustand als zuvor – aus dem Abschwung hervorgeht? Wir stellen einige Denkanstöße vor:

Den Wandel aktiv gestalten. Leute mitnehmen.

Einer unserer langjährigen Kunden beschrieb im Gespräch folgendes Problem: Das Produktions-volumen in diesem Jahr hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert – dennoch sind die zurückgemeldeten Arbeitsstunden unverändert. Abweichungen zwischen tatsächlich gemeldeten IST- und geplanten Vorgabestunden gibt es hingegen nicht. Offenbar gibt es Ängste, dass in Zeiten rückläufiger Auftragsvolumen auch weniger Arbeitsleistung benötigt wird – daher wurden PLAN-Zeiten von Mitarbeitern angehoben, um das Problem „elegant“ zu kaschieren.

Das Beispiel zeigt, wie groß der Bedarf an Change-Management ist. Jetzt ist die Chance, aber auch die Notwendigkeit gegeben, auf Ihre Mitarbeiter zuzugehen und sie mitzunehmen. Denn: Wann wenn nicht jetzt können Sie Probleme angehen? Jetzt ist die Zeit, denn im Abschwung ist auf natürliche Weise weniger zu tun. Damit Sie Ihre Kosten dennoch im Griff halten, beachten Sie:

Kosten senken. Effizienz steigern.

„Konsolidierung“ und „Restrukturierung“ sind die zentralen Stichworte im Abschwung [1]. Es gilt, die Kosten in Ordnung zu bringen, damit Sie keine – oder möglichst wenige – Mitarbeiter entlassen müssen. Ansatzpunkte dafür gibt es etliche. Punkte, an denen wir während unserer Beratung nahezu immer kostenrelevante Potenziale finden, sind:

  • Überhöhte Bestände im Lager und im Prozess, die unnötig Kapital binden. Als Daumenwert: 12% des gebundenen Kapitals fallen als direkte Kosten pro Jahr an. Strukturieren Sie Ihr Lager neu, bewerten Sie Bestände neu, dann fällt Ihnen das Geld entgegen.
  • Schlecht parametrierte Losgrößen in Beschaffung oder Produktion, die dafür sorgen, dass Sie systematisch zu viel produzieren oder beschaffen. Damit geraten Sie in einen Teufelskreis, denn Ihr Lagerproblem wird immer größer (siehe Vorpunkt).
  • Geringe Termintreue, die dazu führt, dass Sie Ihre Kunden enttäuschen und nicht zeitgerecht liefern. Im schlechtesten Falle sind sogar Pönale die Folge, die Ihre Kosten nochmals steigern.
  • Lange und schlechte Materialflüsse führen zu unnötigen Wegen, wir sprechen gern vom „Teiletourismus“. Bringen Sie Ordnung in Ihre Abläufe, reduzieren Sie Transporte und Weglängen. Denken Sie auch über Automatisierung bei Transporten nach, das senkt Ihre Kosten.
  • Intransparente Prozesse, die dazu führen, dass unklar ist, wie bspw. der aktuelle Status des Fertigungsauftrags ist. Andere Fragen, die wir regelmäßig hören, sind: Wo liegen die Teile gerade? Was ist daran noch zu tun? Wie lange dauert es noch, bis der Auftrag fertig ist?
  • Energiekosten. Die tiefhängenden Früchte haben praktisch alle Unternehmen inzwischen angegriffen. Die Beleuchtung ist inzwischen bspw. meist auf LED umgestellt. Doch haben Sie schon einmal die Effizienz der weiteren Technik angesehen? Wie steht es um Lüftungs- und Klimatechnik? Wie um Antriebe, Pumpen, Kälte- und Wärmeerzeugung? Unsere Erfahrung ist, dass hier immer Einsparpotenzial besteht.

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Mutig sein. Antizyklisch handeln.

Kommen wir zum zweiten Punkt, der „Restrukturierung“. Ab hier schwimmen wir schon etwas weiter raus, sind mutiger in den Vorschlägen. Denken Sie doch einmal darüber nach, dass Sie antizyklisch investieren. Typischerweise wird es dadurch günstiger für Sie, denn wenn alle weniger Aufträge haben, wollen auch alle den Kunden sichern. Das bedeutet für Sie: Mehr Service, geringerer Preis. Natürlich braucht es dazu eine Portion unternehmerischen Mut.

Aber überlegen Sie einmal: Wenn Sie gerade jetzt in technische Investitionen wie Lager- oder Transporttechnik gehen, dann haben Sie durch bspw. eine automatisierte Lager- (Stichwort: AKL) und Transporttechnik (Stichwort: FTS) strukturelle Vorteile gegenüber dem Wettbewerb. Dann gehen Sie als Bester aus der Krise heraus und sind dem Wettbewerb weit voraus.

Der berühmte Banker Carl Mayer von Rothschild fasst es einmal markig wie folgt zusammen: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen.“ Das passt im Abschwung ganz gut.

Groß denken. Innovativ werden.

Schließlich bietet die Krise Zeit, sich ganz neu erfinden, also umfassende Restrukturierungen umzusetzen. Wie eine Raupe, die als Wurm startet und als Schmetterling endet. Legen Sie die alten Barrieren ab und brechen Sie ganz neu auf. Ein paar Ideen dazu:

  • Überwerfen Sie die bestehende Fabrikstruktur. Von Zeit zu Zeit ist es dringend erforderlich, selbst Grundsätze in Ihrer Fabrik zu hinterfragen. Macht es wirklich noch Sinn, streng funktional in Werkstätten zu arbeiten? Oder können Sie sich mehr am Wertstrom einzelner Produktgruppen orientieren und dadurch mehr Fluss mit kürzeren Durchlaufzeiten und geringeren Beständen erzeugen? Macht es in diesem Zusammenhang ggf. auch Sinn, das Fabriklayout als Spiegel dieser Überlegungen umzustellen und bestehenden Strukturen aufzubrechen?
  • Neue Produktionsansätze. Die Zeiten ändern sich, wir sind gerade live dabei. Andere Themen werden wichtiger. So erleben wir bspw., dass immer mehr Kunden und potenzielle Mitarbeiter nachfragen, wie produziert wird und ob wirklich alles getan wird, damit die Fabrik so verschwendungsfrei und attraktiv ist, wie möglich. Gehen Sie erste Schritte und befassen Sie sich bspw. mit den Grundzügen der Kreislaufwirtschaft. Sie sparen viel Geld und machen sich selbst attraktiv für neue Mitarbeiter.
  • Neues Management. Mitarbeiter wollen heute viel stärker verstehen, welche Ziele Sie verfolgen und welchen Einfluss sie selbst darauf nehmen können. Die Suche nach dem „Purpose“, dem Zweck der Arbeit, steht immer mehr im Vordergrund. Wir empfehlen Ihnen hier „OKR – Objectives and Key Results“ als neues Managementwerkzeug in der Produktion. Damit brechen Sie Ziele für alle greifbar herunter und machen Beteiligung im Betrieb handhabbar.
  • Agilität leben. Nutzen Sie die Chance, neue Projekte anders anzugehen. Nutzen Sie Methoden wie SCRUM, um in kürzeren Zyklen zu besseren Projektergebnisse zu kommen. Und nachzusteuern, wenn etwas nicht klappen sollte. Auch das wertschätzen Ihre Mitarbeiter.

Zum guten Schluss.

Sie sehen, es gibt eine ganze Menge zu tun in Zeiten des Abschwungs. Natürlich hat dies zuerst etwas mit Kosten zu tun. Und das macht nicht immer nur Spaß. Aber sehen Sie es doch auch einmal positiv: Neben diesen Hausaufgaben bietet so ein Abschwung immer auch die Chance, andere Themen ganz neu anzugehen und damit – sobald der Aufschwung folgt – wieder ganz vorne anzugreifen.

Wenn Sie weitere Informationen bekommen möchten oder Interesse an einem Austausch haben, erreichen Sie uns gern.

Damit Sie jetzt einschätzen können, wie gut Ihre Produktion auf einen Abschwung eingestellt ist, haben wir ein sog. „Krisenbarometer“ erstellt. Laden Sie es sich herunter, beantworten Sie die Fragen – und Sie haben einen ersten Eindruck, wo Sie stehen und wo möglicherweise noch Hausaufgaben anstehen.

Das GREAN-Krisenbarometer

Literatur

[1]       
https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/manufacturing/MFG_A_
Automobilwoche_Sonderbeilage_2013.pdf, Abruf am 24.09.2019

[2]         
https://de.wikipedia.org/wiki/Antizyklisches_Investieren, Abruf am 24.09.2019

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