Sinnvoll Sicherheitsbestände reduzieren

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Sinnvoll Sicherheitsbestände reduzieren – Anwendung in einem Business Case

Im Rahmen eines Grüne-Wiese-Neuplanungsprojekts sollten produktionslogistische Ziele wie die Termintreue oder die Durchlaufzeit dramatisch verbessert werden. Übergeordnetes Ziel war es, die Effizienz der Fabrik zu steigern, damit langfristig wirtschaftlich vorteilhaft im Hochlohnland Deutschland produziert werden kann.

Warum Bestände reduzieren?

Bestände sind gebundenes Kapital. Sie wirken sich negativ auf die Liquidität des Unternehmens aus. In der Lean-Philosophie ist außerdem verankert, dass Bestände Probleme im Produktionsablauf verdecken. Neben diesen Punkten gibt es im Fabrikbetrieb ganz praktische Probleme, die aus überhohen Beständen resultieren:

Bestände auf ein sinnvolles Maß einzustellen, ergibt also aus betriebswirtschaftlicher und prozessablaufbedingter Sicht viele Vorteile.

Was zeichnet den Bestand aus?

Ein Bestand setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen. Grundlage dafür ist die sog. „Sägezahnkurve“. Dabei wird der Bestand im Zeitverlauf skizziert. Ideal gedacht, wird der Bestand gleichmäßig entnommen bis eine sog. bestellauslösende Bestandsuntergrenze erreicht wird. Dann wird der Bestand wieder aufgefüllt – und zwar in der Menge eines Bestellloses. Interessant an dem Modell ist, dass es sowohl für Wareneingangs- und -ausgangslager, als auch für Prozesspuffer genutzt werden kann. In dem Modell wird außerdem unterstellt, dass es einen Sicherheitsbestand gibt, der mögliche Probleme, die im Zusammenhang mit der Wiederbeschaffung eines Lagerloses auftreten, abfedert. Im Mittel liegt also immer der Sicherheitsbestand sowie – im Durchschnitt über die Zeit – eine halbe Losgröße im Lager.

Wie kann der Bestand dimensioniert werden?

Für die Bestimmung des Bestandsniveaus kann der Servicegrad genutzt werden. Dieser gibt an, wie viele Teile pünktlich geliefert werden und liegt zwischen 0% und 100%. Wird das mittlere Bestandsniveau nun über dem Servicegrad abgetragen, wird deutlich, dass bei stark steigenden Beständen der Servicegrad nicht im gleichen Maße mitwächst. Konkret bedeutet das, dass ab einem bestimmten hohen Bestandsniveau der Servicegrad nicht weiter ansteigt – die Kapitalbindungskosten allerdings schon. Oder andersherum: Der Bestand kann reduziert werden, ohne den Servicegrad signifikant einzuschränken. Hier liegen deutlich logistische Potenziale, da bspw. die Kapitalbindung und logistische Durchlaufzeiten sinken, der Servicegrad aber gerade nicht (oder nur sehr wenig) eingeschränkt wird. Hier das richtige Maß zu finden, ist die Aufgabe der logistischen Positionierung.

Wichtig: Der Bestand kann reduziert werden, indem der Sicherheitsbestand reduziert wird, oder indem die Losgröße verkleinert wird – beide Faktoren machen ja den Bestand aus. In diesem Beispiel betrachten wir nur den Sicherheitsbestand.

Welche Größen haben einen Einfluss auf den Sicherheitsbestand?

Um nun einen Ansatzpunkt zur Optimierung zu finden, ist es im letzten Schritt wichtig, sich bewusst zu machen, welche Größen einen Einfluss auf den Sicherheitsbestand haben. Hier sind drei Größen zu nennen: Die Mengenabweichung gibt an, welche Fehlmengen in einer Extrembetrachtung durch den Sicherheitsbestand abgedeckt werden sollen. Die Terminabweichung gibt an, welcher maximale Lieferverzugszeitraum durch den Sicherheitsbestand überbrückt werden soll. Schließlich gibt es die sog. Bedarfsratenschwankung, die angibt, dass u.U. ein höherer Bedarf durch den Sicherheitsbestand abgedeckt werden muss, als vorab geplant.

Bei der Auslegung des Sicherheitsbestands müssen alle drei Faktoren berücksichtigt werden. Da diese unabhängig voneinander sind, können sie im schlechtesten Falle zeitgleich auftreten. Daher werden sie bei der Berechnung über das quadratische Mittel berücksichtigt.

Was sind die Vorteile eines optimal dimensionierten Sicherheitsbestands?

Zentrale Vorteile eines gut parametrieten Sicherheitsbestands sind weniger Kapitalbindung, kürzere Durchlaufzeiten oder weniger Warteschlangen im Betrieb. Auch kann damit der Platzbedarf des Lagers reduziert werden.

Abschließend ist der Hinweis wichtig, dass der Sicherheitsbestand nur eine Größe ist, die einen Einfluss auf den Bestand besitzt. Daneben gibt es noch die Losgrößen, deren Auslegung wichtig ist. Dies wird in der kommenden Infografik thematisiert.


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